The Limited Times

Now you can see non-English news...

Jenseits von Catan: Brettspiele für Fortgeschrittene - DER SPIEGEL - Netzwelt

2020-10-17T17:16:12.440Z

"Catan", "Zug um Zug" und "Dixit" kennen Sie bereits in- und auswendig? Für erfahrene Spieler gibt es hier acht Brettspiel-Tipps.


Icon: vergrößern

Foto: Hendrik Breuer

Seit 1979 wird in Deutschland alljährlich ein "Spiel des Jahres" gekürt. Prämierte Spiele wie "Catan" (Gewinner 1995), "Carcassonne" (2001) oder auch "Kingdomino" (2017) und "Azul" (2018) sind weltweit millionenfach verkaufte und beliebte Bestseller. Allerdings sind die ausgezeichneten Spiele meist auch relativ einfach und gerade für Vielspieler oft keine große Herausforderung.

Deshalb gibt es seit 2011 auch ein "Kennerspiel des Jahres". Mit diesem Preis werden Spiele ausgezeichnet, die sich an etwas erfahrenere Spieler richten, die dem "Spiel des Jahres" entwachsen sind. Mittlerweile wurden zehn Werke als "Kennerspiele" ausgezeichnet, doch das Genre wächst auch außerhalb der prämierten Spiele. Einige spannende Spiele für Fortgeschrittene stellen wir hier vor. Wer genug hat von "Catan" und Co., kann mit diesen acht Spielen den Spieleabend auffrischen.

"Caylus 1303"

Icon: vergrößernFoto: Hendrik Breuer

"Caylus"? War da nicht mal was? Bereits 2005 erschien William Attias Klassiker: ein Spiel, das den Mechanismus des Arbeitereinsatzes so populär machte, dass seitdem unzählige Spiele in dem Genre folgten. Anstatt auf einem Brett herumzuziehen oder Plättchen zu legen, schickt man die Spielfiguren an bestimmten Stellen "zur Arbeit". Dort produzieren sie Ressourcen oder führen verschiedene Aktionen durch. Das war tatsächlich stilbildend, allerdings erscheint das original "Caylus" 15 Jahre später etwas unrund und überfrachtet. Deshalb hat Autor Attia in diesem Sommer eine entstaubte und modernisierte Neuauflage namens "Caylus 1303" veröffentlicht.

Icon: vergrößernFoto: Hendrik Breuer

Für wen ist das was?

"Caylus 1303" ist etwas für Spieler, die dieses Genre kennenlernen möchten und Lust auf ein überarbeitetes und trotzdem klassisches Gameplay haben. "Caylus" war prägend für eine ganze Spieler-Generation, "Caylus 1303" transportiert das alte Spielgefühl ins Jahr 2020.

"Feierabend"

Icon: vergrößernFoto: Hendrik Breuer

"Feierabend" ist eines der vielen Spiele, die auf "Caylus" gefolgt sind: Auch hier geht es um Arbeitseinsatz. Das neue Werk von Friedemann Friese ist in einem modernen Paralleluniversum verortet, in dem Arbeiter und Arbeiterinnen 70-Stunden-Wochen abreißen, kaum Freizeit haben und erst recht keinen Urlaub. Ziel des Spiels ist es, bessere Arbeitsbedingungen zu erkämpfen, die Feierabende spannender zu gestalten und entspannter zu werden. Thematisch ist das praxisnah umgesetzt. Man kann einen Partner beim Blind Date treffen und ins Motel abschleppen, zusammen in den Urlaub fahren, selbst der Pay Gap lässt sich schließen. Irgendwann gibt es dann richtig gutes Geld für die 20-Stunden-Woche.

Icon: vergrößernFoto: Hendrik Breuer

Für wen ist das was?

"Feierabend" ist ein lustiges Spiel und kommt überraschenderweise ohne moralisierenden Unterton aus. "Es reicht, ich geh zur Gewerkschaft" oder "Leute, jetzt gibt’s den Mega-Streik" sind Sätze, die am Tisch für Heiterkeit sorgen. Wenn alle Mitspielenden Lust auf dumme Sprüche haben, sorgt "Feierabend" für Heiterkeit. Wird aber bloß still und leise vor sich hingespielt, verliert das Spiel seinen größten Vorteil: das erfrischend neue Thema. 

"Hadara"

Icon: vergrößernFoto: Hans im Glück

"Hadara" ist ein Zivilisationsspiel - zumindest, wenn man der Beschreibung auf der Spieleschachtel glaubt. So ganz stimmt das aber nicht, weil das Spiel sehr abstrakt ist und das Thema nicht wirklich durchscheint. "Hadara" ist trotzdem interessant: Es baut auf einem innovativen Drafting-Mechanismus auf, bei dem die Spielenden jeweils zwei Karten nehmen, von denen sie eine behalten und die andere eventuell für später zurücklegen. Mit diesen Karten können sie ihre Zivilisation entwickeln oder Geld verdienen. Bei "Hadara" gibt es viele knifflige Entscheidungen zur Optimierung der eigenen Zivilisation, und das in sehr schneller Folge.

Icon: vergrößernFoto: Hendrik Breuer

Für wen ist das was?

Die Schnelligkeit ist das größte Plus von "Hadara". Zu zweit kann man das Spiel in einer halben Stunde durchspielen, und selbst zu fünft dauert es kaum länger als sechzig Minuten. Die Regeln sind auch schnell verstanden, damit liegt die Einstiegshürde von "Hadara" wirklich nur knapp über dem eines durchschnittlichen "Spiel des Jahres".

"The Castles of Tuscany"

Icon: vergrößernFoto: Hendrik Breuer

Stefan Felds neuestes Spiel klingt so ähnlich wie sein Klassiker "The Castles of Burgundy" bzw. "Die Burgen von Burgund" - und das ist kein Zufall. Das neue Toskana-Spiel greift so manche Idee des viel gelobten Vorgängers auf, kommt aber weniger komplex daher. Es geht wieder darum, die eigene Region von einem "Castello"  aus mit passenden Landschaftsplättchen zu entwickeln. Plättchen bringen Boni und das Spielende ein wenig näher. Wie die drei Wertungen des Spiels ausgelöst werden, ist clever gelöst. Ein interessantes Element ist dabei auch eine doppelte Punkteleiste. Das große Manko des Spiels sind allerdings die leicht zu verwechselnden Farben des Materials. "The Castles of Tuscany" spielt man besser bei gutem Licht.

Icon: vergrößernFoto: Hendrik Breuer

Für wen ist das was?

"The Castles of Tuscany" hat einen sehr guten Flow. Lange Denkpausen entstehen nicht, was dieses Spiel zu einem guten Einstieg ins Kennerspiel-Genre macht. Die Altersangabe ab 10 Jahren passt, wenngleich ein, zwei Jahre jüngere Spielefans das auch schon hinbekommen sollten.

"Viticulture"

Icon: vergrößernFoto: Feuerland

"Viticulture" ist ebenfalls in der Toskana verortet, passt thematisch aber noch besser als "The Castles of Tuscany". Es geht um die Herstellung von Wein. Die Spielenden übernehmen jeweils ein heruntergekommenes Weingut und lassen es langsam wieder zu altem Glanz erstrahlen. Dies dauert ein paar Jahre, also Spielrunden. Der Ablauf folgt dabei den Jahreszeiten, so werden etwa im Frühjahr Reben gepflanzt und im Herbst Trauben geerntet und gekeltert. Je älter die Reben werden, desto besser wird natürlich auch der Wein. "Viticulture" ist geradezu vorbildlich logisch aufgebaut und kommt mit hochwertigem Spielmaterial.

Icon: vergrößernFoto: Hendrik Breuer

Für wen ist das was?

So klischeebehaftet es klingen mag, ist "Viticulture" das perfekte Spiel, um sich mit Erwachsenen bei einer Flasche Wein spielerisch gut zu unterhalten. "Viticulture" ist nicht so einfach zu durchschauen wie "The Castles of Tuscany", doch sobald man einmal erkannt hat, wie man den besten Wein herstellt, läuft es fast von alleine.

"Die Tavernen im Tiefen Thal"

Icon: vergrößernFoto: Hendrik Breuer

Man muss spielerisch übrigens nicht nach Italien reisen, um ordentlich einen auszuschenken. In "Die Tavernen im Tiefen Thal" bleiben die Spielenden in heimischen Gefilden und versorgen ihre Gäste standesgemäß mit Unmengen an Bier. Drumherum geht es darum, die eigene Schankwirtschaft Stück für Stück auszubauen, Mitarbeitende anzuwerben, Geld zu verdienen und möglichst zahlungskräftige Adlige zu bewirten. "Die Tavernen im Tiefen Thal" bieten einen cleveren Würfel-Auswahl-Mechanismus und einen interessanten Kniff, das eigene Kartendeck zu nutzen und stetig zu verbessern. Dank fünf Modulen lässt sich viel Unterschiedliches ausprobieren.

Icon: vergrößernFoto: Hendrik Breuer

Für wen ist das was?

"Die Tavernen im Tiefen Thal" ist ein Spiel für Tüftler, die Freude daran haben, ihre Kneipe zu entwickeln und ein Spielsystem zu erkunden, was aufgrund der verschiedenen Module bei diesem Spiel besser klappt als bei den meisten anderen.

"Minecraft: Builders & Biomes" plus Erweiterung

Icon: vergrößernFoto: Hendrik Breuer

"Minecraft" ist noch immer ein beliebtes Videospiel, warum also sollte man nicht mal die Brettspiel-Umsetzung ausprobieren? Zumal mit der "Farmers Market Expansion" neue Elemente ins Spiel gekommen sind, die das Spiel langsam auf Kenner-Niveau heben. Spieleautor Ulrich Blum ist es gut gelungen, das ausufernde Original in ein Brettspiel zu übersetzen, das als solches ausgesprochen gut und flüssig funktioniert und verschiedene Wege zum Sieg bietet. Auch die Umsetzung mit den großen Holzblöcken und einer pixeligen Grafik erinnert ans Vorbild.

Icon: vergrößernFoto: Hendrik Breuer

Für wen ist das was?

"Minecraft Builders & Biomes" bricht viele Ideen aus dem Videospiel in abstrahierter Form auf ein Spielbrett herunter. Damit holt man vielleicht auch mal die zockenden Kinder an den Spieltisch. Diese können den Mitspielenden dann erklären, was Builders und Biomes eigentlich sind. Mit der Erweiterung kommen einige weitere Elemente ins Spiel, beispielsweise das Farming. 

"Flügelschlag" als PC-Spiel

Icon: vergrößernFoto: Monster Couch

Brettspiele sind mittlerweile so populär, dass erfolgreiche Titel immer häufiger als App oder PC-Spiel umgesetzt werden. "Flügelschlag", das "Kennerspiel des Jahres 2019", ist seit ein paar Wochen auch auf dem Rechner spielbar. So kann man sein Naturschutzgebiet digital aufbauen, Vögel ansiedeln und - wie bei jedem guten Brettspiel - den Optimierungs-Motor anwerfen und Siegpunkte anhäufen. Natürlich werden wie bei der Vorlage auch wahnsinnig viele Eier gelegt und die Vogelkarten rauschen nur so durch. Das funktioniert sowohl gegen die KI als auch mit Mitspielenden sehr gut. Der entspannende Soundtrack macht eine Partie am Rechner besonders rund.  

Icon: vergrößernFoto: Monster Couch

Für wen ist das was?

"Flügelschlag" ist als Brettspiel eher ruhig und bietet nur mäßig viel Interaktion zwischen den Spielenden. Dass es am Rechner deshalb gut funktioniert, verwundert nicht. Wer nur selten Mitspielende zu Gast hat oder mit der Gruppe in diesen Zeiten lieber auf Distanz spielt, sollte sich das Spiel unbedingt ansehen. Es ist genauso ansprechend umgesetzt wie das vielfach prämierte Brettspiel.

Source: spiegel

You may like

News/Politics 2020-08-31T11:22:32.373Z
Tech/Game 2020-08-08T16:17:24.189Z
Tech/Game 2020-08-27T09:31:37.178Z

Trends 24h

Latest

© Communities 2019 - Privacy