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Nur sauber oder auch virenfrei? So desinfizieren Sie Ihre Kamera richtig - DER SPIEGEL - Netzwelt

2020-09-19T17:28:22.999Z

Einfach sauber - oder auch virenfrei? Hersteller und ein Virologe erklären, wie man seine Kamera in der Pandemie sinnvoll reinigt.


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Foto: nito / stock.adobe.com / Montage: c’t Fotografie / Heise

Mit der Kamerapflege ist es so eine Sache: Wo es den einen in Sachen Verschmutzung längst graust, verschiebt der andere den Frühjahrsputz einmal mehr auf den nächsten Winter. Doch seit uns das Coronavirus im Griff hält, fragen sich immer mehr Fotografen: Welche Hygieneregeln muss ich beachten, wenn ich in der Gegenwart von Menschen fotografiere oder anderen meine Kamera ausleihe? Und wie sollte ich meine Kamera nach Gebrauch reinigen oder sogar desinfizieren?

Wir haben bei Spezialisten nachgefragt - unter anderem beim Canon Professional Service (CPS), der für die Reparatur und Reinigung von Canon-Foto- und Filmkameras verantwortlich zeichnet. Auf die Frage, mit welchen Mitteln der CPS Kameras reinigt und desinfiziert, lautete die Antwort: "Wir benutzen eine Mischung aus 70 Prozent bis 80 Prozent verdünntem Ethanol oder Isopropanol-Alkohol. Zusätzlich sind alle Mitarbeiter des technischen Service mit Handschuhen sowie Mund- und Augenschutz ausgestattet."

Die Hygiene sei bei Canon bereits vor Corona sehr ernst genommen worden. Mit der sich ausbreitenden Pandemie sei dieser Aspekt noch stärker in den Fokus gerückt. Um die Verbreitung des Coronavirus zu verhindern, empfiehlt die Canon-Serviceabteilung konkret die Desinfektion mittels Alkohols, insbesondere von Kamerateilen, die "häufig berührt werden, wie beispielsweise Kameragriffe oder Objektive". Der Auftrag solle dabei mit einem Mikrofasertuch erfolgen. Anders als bei Sprühnebel-Lösungen, bei der der Alkohol an sensible Stellen – wie etwa den Sensor – gelangen könne, sei das Desinfektionsmittel auf diese Weise gezielter und sicherer zu dosieren.

Allerdings, so die Experten weiter, empfehle man diese Maßnahmen explizit zur Verhinderung von Virusinfektionen – nicht aber als Reinigungsmethode zur Produktpflege. Über andere Methoden, wie beispielsweise der im Netz kursierenden Bestrahlung technischer Geräte etwa mittels UV-C-Licht, habe man "leider keine Erkenntnisse und könne andere Alternativen daher nicht bewerten".

Hochprozentiges gegen Viren

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Hygiene-Experte Ralf-Peter Vonberg empfiehlt alkoholische Desinfektionsmittel für die Kamera-Desinfizierung

Foto: privat / Heise

Diese Verfahrensweisen aus der Praxis decken sich mit den Erkenntnissen von Wissenschaftlern, wie Ralf-Peter Vonberg im Gespräch mit "c’t Fotografie" erläutert. Der Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie sowie für Hygiene und Umweltmedizin am Institut für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene der Medizinischen Hochschule Hannover hat sich mit seinem Team unter anderem mit der Frage beschäftigt, wie man Geräte wie Tablets, die im Krankenhaus zur Dokumentation eingesetzt werden, sicher desinfiziert. Kurz zusammengefasst lauten die Erkenntnisse: Alkohol wirkt zuverlässig und ist im Alltag das praktikabelste und am wenigsten belastende Mittel.

Alkoholische Desinfektionsmittel werden in verschiedenen Konzentrationen angeboten, am häufigsten als circa 65 Vol-% Händedesinfektionsmittel", so Vonberg. "Das tötet fast alle Bakterien ab und einen Großteil der Viren." Auf Nachfrage, was das mit Blick auf das Coronavirus bedeute, antwortet der Hygieniker aus Hannover: "Entscheidend ist, ob die Viren eine Hülle haben oder nicht. Behüllte Viren, wie das Coronavirus, kann man sehr gut mit den überall erhältlichen Alkohollösungen inaktivieren, bei Viren ohne Hülle sind hingegen Alkohollösungen mit zirka 95 Vol-% angezeigt."

Ob Ethanol oder Isopropanol - beides ist im Normalfall in Apotheken, aber auch Drogeriemärkten erhältlich – sei für das Ergebnis belanglos. Neben der Applikation flüssigen Alkohols wirkten auch die im Handel erhältlichen alkoholgetränkten Tücher, eine ausreichende Benetzung der Oberfläche vorausgesetzt. Auftragen, verdunsten lassen, fertig! Natürlich könne man Viren auch mit anderen Mitteln abtöten, mit Formaldehyd etwa, das Viren sicher deaktiviert. Für dessen Einsatz spricht aus Sicht des Krankenhaushygienikers aber nichts: "Bei Formaldehyd muss der Kontakt zur Haut vermieden werden, und die Dämpfe gelten als krebserregend", so Vonberg.

Geheimwaffe UV-C Licht

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Prototyp eines Handydesinfektionssystems, das Forscher am Fraunhofer-Institut entwickelt haben, im Inneren kommen UVC-LEDs (Leuchtdioden, die mit ultraviolettem Licht arbeiten) zum Einsatz

Foto: Thomas Westerhoff, Fraunhofer IOSB-AST / Heise

Gefragt nach der Wirksamkeit von UV-C Licht als Viren-Inaktivator, sagt der Hygieneforscher: "Wir haben eigens eine dafür kommerziell erhältliche Lampe getestet. Wir konnten feststellen, dass diese tatsächlich UV-Strahlung und nicht bloß violettes Licht emittierte und Bakterien binnen Sekunden tötete. Ich würde daher vermuten, dass diese Lampen auch Viren inaktivieren, allerdings sind sie nicht explizit für den medizinischen Einsatz konzipiert und insofern bislang keine verlässliche Alternative." Hinzu kommt, dass man sich bei falscher Anwendung Hautschäden oder eine Verblitzung (Verletzung der Hornhautoberfläche durch UV-Strahlen) zuziehen kann. Außerdem ist nicht auszuschließen, dass die Strahlen auf Dauer Kunststoffe, wie etwa die von Gehäuseverkleidungen, angreifen.

Damit wären wir zurück am Anfang: Alkohol ist nicht nur im chemischen Sinne ein "Lösungsmittel", sondern auch ganz umgangssprachlich eine "Lösung" - und in Sachen Covid-19-Desinfektion technischer Geräte die mit den wenigsten Nachteilen.

Viren, die über Nacht austrocknen

Bleibt eine ganz andere Frage: Wie hoch ist die Gefahr, sich eine Corona-Infektion über Kontaktflächen wie etwa einem Kameragehäuse zuzuziehen, überhaupt?

"Eine Kontamination einer Kamera erwarte ich nur, wenn die sich innerhalb des Streuradius eines Infizierten befindet. Die empfohlenen eineinhalb Meter Abstand reichen also in aller Regel aus. Es sei denn man fotografiert beispielsweise einen singenden Chor", antwortet der Hygieniker. Ein Problem für Dritte stelle das aber ohnehin nur dar, wenn sich der Betreffende nicht die Hände wasche.

Einige Studien deuteten darauf hin, dass die auf Oberflächen haftenden Viren nach einer Nacht nicht mehr infektiös sind, weil sie austrockneten. Vonberg sagt dazu: "Wenn man die üblichen Hygieneregeln einhält, ist dieser potenzielle Übertragungsweg sehr unwahrscheinlich. Deutlich wahrscheinlicher ist wegen der Aerosole - feinste Schwebepartikel, an denen das Virus haften kann – oder Tröpfchen eine Ansteckung in der Schlange beim Bäcker." Das gelte analog auch für unzureichend belüftete Fotostudios, vor allem, wenn mehrere Menschen im Raum sind, die keine beziehungsweise keine zuverlässigen Masken tragen.

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Source: spiegel

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