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Probleme ohne den verletzten Kimmich: Bayerns Achsbruch - DER SPIEGEL - Sport

2020-11-21T22:38:11.907Z

Gegen Werder Bremen zeigt sich, wie sehr der FC Bayern Joshua Kimmich vermisst. Ohne seine Führungsfigur wirkt der Meister fahrig und konfus. Trainer Hansi Flick stehen komplizierte Wochen bevor.


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Niklas Süle (l.) und Joshua Kimmich verfolgten das 1:1 gegen Werder Bremen auf der Tribüne

Foto: 

Alexander Hassenstein / Getty Images

Die Freude von Florian Kohfeldt wirkte verhalten. Ganz im Gegensatz zu anderen Trainern von Gästemannschaften, die in der Vergangenheit das seltene Glücksgefühl eines Unentschiedens in München schon mal in schiere Ekstase versetzte. Sicher, auch Kohfeldt war zufrieden mit dem 1:1, froh und erleichtert über das Ende der düsteren Serie von Werder Bremen – nach 19 Liga-Pleiten gegen den FC Bayern in Folge. Doch von Überschwang keine Spur. Kohfeldt wusste, dass ein Auswärtssieg seiner Mannschaft nicht nur möglich gewesen wäre, sondern auch verdient.

Dass es für Werder nicht reichte, dass sie drei Großchancen zum Siegtreffer nach verheißungsvollen Kontern nicht nutzen konnten? Das lag an genau drei Dingen: am ausgestreckten Arm von Manuel Neuer, an einer grandiosen Grätsche von Leon Goretzka, am letzten Einsatz von Jerome Boateng.

Warum die Bayern überhaupt in solche Schwierigkeiten kamen, warum sie einfach nicht besser spielten und nicht wie gewohnt den Gegner mit ihrer Dominanz erdrückten, das hatte mehrere Gründe. Einer davon saß dick eingepackt in einer gelben Daunenjacke im Unterrang der Haupttribüne: Der verletzte Joshua Kimmich. Und so wurde schon in Spiel eins nach seiner schweren Meniskus-Verletzung in Dortmund deutlich, wie bedeutsam er für das Spiel der Bayern ist, wie groß die Lücke ohne ihn auch in den kommenden Wochen sein wird.

Auf die Frage, wie sehr er seinen Führungsspieler vermisst habe, sagte Hansi Flick später: »Joshua wird immer fehlen.« Zumindest noch bis zum angepeilten Comeback im Januar.

Zu Beginn schickte Trainer Hansi Flick eine gewagte Startelf aufs Feld, die es so noch nie gegeben hatte, mit dem 17-jährigen Jamal Musiala neben Thomas Müller auf der Doppel-Acht, dahinter als einsame Sechs Javi Martinez. Noch komplizierter wurde es, als Linksverteidiger Lucas Hernandez nach 19 Minuten mit einer schmerzhaften Hüftprellung vom Platz musste. Der eingewechselte Leon Goretzka stellte sich ins defensive Mittelfeld, Martinez zog sich zurück in die Innenverteidigung, von der aus der etatmäßige Abwehrchef David Alaba nach außen auf die Hernandez-Position rückte – womit dem Spiel der Münchner die Statik komplett verloren ging.

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Lucas Hernandez musste gegen Bremen unter Schmerzen vom Feld

Foto: LUKAS BARTH / AFP

Fast das gesamte vergangene Erfolgsjahr über konnte Hansi Flick einem Grundgerüst vertrauen, der so oft zitierten und viel beschworenen Achse von Manuel Neuer über David Alaba und Joshua Kimmich bis zu Thomas Müller und ganz vorne Robert Lewandowski. Als Stützen dieser Achse erwies sich immer mehr das Trio mittendrin: Alaba, Kimmich, Müller. Lautstark in den Anweisungen, zielgerichtet im Spielaufbau, die drei absoluten Führungsfiguren auf dem Platz. Dass Kimmich nun von Beginn an fehlte, Alaba aus der Linie nun mit deutlich weniger Gestaltungsraum nach außen rücken musste, das führte an diesem Samstagnachmittag unweigerlich zu einem irreperablen Achsbruch – ganz abgesehen davon, dass auch Thomas Müller teilweise nicht zu wissen schien, was er mit dem talentierten, aber auch noch übereifrigen Jamal Musiala neben sich anfangen soll.

Ohne Kimmich keine Leichtigkeit

Die Folge war ein zerfahrenes und sehr konfuses Spiel der Bayern. Keine einzige Torchance in der ersten Halbzeit, dazu Abstimmungsprobleme beim Bremer Führungstreffer kurz vor der Halbzeit. »Ein ganz billiges Gegentor«, murrte Thomas Müller später. Recht hatte er. In der zweiten Hälfte wurde es zwar etwas besser, aber es ging mehr über den Kampf und über den Willen als über die sonst übliche spielerische Leichtigkeit. Viele Momente blieben ein Produkt des Zufalls. Manchmal klappte es, manchmal nicht.

Was fehlte, waren die Automatismen einer eingespielten Mannschaft, das blinde Verständnis untereinander, das erfolgreiche Antizipieren der nächsten Aktion. Auf die Frage nach den Umstellungen meinte Hansi Flick später zwar: »Jeder Spieler weiß ja, was er zu tun hat.« Das ja. Aber vielleicht nicht, was gerade der Nebenmann tut. Wo er steht. Was er erwartet. Was er plant.

Ein Problem, das die Mannschaft noch bis Weihnachten weiter begleiten dürfte. Acht Spiele stehen in den kommenden vier Wochen noch an, drei in der Champions League, fünf in der Bundesliga. Hansi Flick wird sich weiter gezwungen sehen zu Rotation und Improvisation, aufgrund von Verletzungen, aufgrund der Belastung. Flick muss daher vorerst auch Abschied nehmen von seiner Philosophie, in jedem Spiel am liebsten immer die gleichen elf Spieler aufs Feld zu schicken. Immer wieder hatte er vor allem in der vergangenen Saison betont, wie wichtig ihm das sei. Nicht dauernd durchwechseln zu müssen. Eben genau wegen der Mechanismen, der Automatismen.

Salzburg wird zum Schlüsselspiel

Ganz wichtig könnte nun der kommende Mittwoch werden. Bei einem Sieg gegen den FC Salzburg in der Champions League könnten die Bayern bereits als Gruppensieger feststehen, vorausgesetzt, Atlético Madrid bleibt im Parallelspiel gegen Lok Moskau ohne Sieg. Das könnte Flick helfen, in den letzten beiden Gruppen-Partien Stammspieler für die Bundesliga zu schonen. 

Dass man einen großen Kader habe, dass er auf die Rückkehr von Corentin Tolisso und Lucas Hernandez hoffe, sagte Flick noch und fügte hinzu: »Wir haben genug Spieler.« Aber eben keinen wie Joshua Kimmich.

Icon: Der Spiegel

Source: spiegel

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