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FC Barcelona: Wer Cruyff verleugnet, hat schon verloren - DER SPIEGEL - Sport

2020-08-14T22:23:29.066Z

Das Debakel des FC Barcelona hatte viele Gründe: Der Trainer, der die Taktik des Übervaters Johan Cruyff ignorierte. Der gealterte Sergio Busquets. Und Lionel Messi, der wie im argentinischen Nationaltrikot spielte.


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Marc-André ter Stegen, Tor: Aus deutscher Sicht war es das Duell dieses Viertelfinals. Neuer vs. ter Stegen, die beiden Nationaltorhüter im Vergleich. Barcelonas Keeper geht nicht als Gewinner aus diesem Duell. Das liegt weniger an den acht Gegentoren, da wurde ter Stegen von seinen Vorderleuten meist im Stich gelassen. Fehlerlos war der 28-Jährige trotzdem nicht - vor allem im Spielaufbau. Das ist eigentlich ter Stegens große Stärke, mit seinen teils riskanten Zuspielen ermöglichte er allerdings zwei gute Torchancen von Thiago (24. Minute) und Robert Lewandowski (29.). Die zweite machte er anschließend glänzend zunichte.

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Rafael Marchante / AP

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Nélson Semedo, Abwehr: Der Rechtsverteidiger gehörte zu den auffälligen Akteuren des FC Barcelona - allerdings häufiger in negativer Hinsicht. Beim 0:1 war Semedo sehr weit aufgerückt, die Bayern nutzten den Platz auf seiner Seite gekonnt aus (3.). Semedo musste gegen Münchens Shootingstar Alphonso Davies spielen, beim 2:5 wurde deutlich, wer von den beiden der bessere Kicker ist. Davies ging spielend an dem 26 Jahre alten Portugiesen vorbei (63.). In der Offensive legte er keinen Torschuss auf, im ersten Durchgang ermöglichte er mit einem Lauf eine der wenigen Schusschancen von Lionel Messi (20.).

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MANU FERNANDEZ / AFP

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Clément Lenglet, Abwehr: Der Franzose war zu bedauern. Immer wieder musste er die Stellungsfehler seiner Nebenleute ausbügeln, das konnte auf die Dauer nicht gutgehen. Mit einem langen Pass auf Jordi Alba leitete Lenglet das zwischenzeitliche 1:1 durch das Eigentor von David Alaba vor, da schien die Barça-Welt noch in Ordnung zu sein. Beim 1:3 durch Serge Gnabry sag Lenglet auf den ersten Blick nicht gut aus, weil er zu spät dran erscheint - der Weltklasse-Pass von Leon Goretzka in der Entstehung war so jedoch nicht zu erahnen.

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POOL / REUTERS

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Gerard Piqué, Abwehr: Die statistischen Werte des 33-Jährigen sehen ganz gut aus. Piqué gewann die Mehrzahl seiner Zweikämpfe, in der gegnerischen Hälfte kam jeder seiner Pässe an. Wenn eine Mannschaft allerdings acht Gegentore bekommt, kann die Bewertung des Abwehrchefs nicht gut ausfallen. Piqué schaffte es zu keinem Zeitpunkt, Ordnung in die unfassbar anfällige Defensive zu bekommen. In Barcelona wird es nun um einen Neuaufbau gehen, Piqué könnte dabei zur Disposition stehen.

Foto: RAFAEL MARCHANTE / AFP

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Jordi Alba, Abwehr: Der Linksverteidiger war auffälligster Offensivakteur der Katalanen - das sagt eigentlich alles. Er bereitete mit einem Pass auf Luis Suárez das Eigentor von Alaba vor und war auch beim zwischenzeitlichen 2:4 durch Suárez der Vorlagengeber. Defensiv war Alba jedoch genauso anfällig wie alle anderen Akteure seines Teams. Mal fehlte er, weil er zu weit aufgerückt war, oder er musste einrücken, weil die Lücken im Zentrum zu groß waren.

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Pool / Getty Images

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Sergio Busquets, Mittelfeld (bis 70. Minute): Barcelona ging mit der ältesten Startelf in der Geschichte der Champions League in dieses Viertelfinale. Busquets taugt nach einer äußerst mäßigen Saison - und noch viel mehr nach diesem schwachen Auftritt - als Symbol für den verpassten Generationswechsel in Barcelonas Kader. Der einstige Spiritus Rector im Aufbauspiel der Katalanen ist langsam geworden und hat vor allem seine große Stärke verloren: den Gesamtüberblick. Exemplarisch kann dafür Lewandowskis Torchance in der 29. Minute herhalten. In der Vergangenheit wäre ter Stegens Pass am eigenen Strafraum auf Busquets kein Problem gewesen, nun verliert er in Bedrängnis den Ball. Das Gesamtbild wird auch durch seinen Pfostenkopfball nicht aufgehübscht (10.).

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Rafael Marchante/POOL/EPA-EFE/Shutterstock

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Ansu Fati, Angriff (ab 70. Minute): Dem Angreifer soll die Zukunft beim FC Barcelona gehören. Fati ist 17 Jahre alt und hat schon in einigen Spielen bewiesen, was in ihm steckt. Doch in einem Viertelfinale der Champions League beim Stand von 2:5 eingewechselt zu werden, ist undankbar. Fati ging mit seinen Kollegen in der Schlussphase unter.

Foto: Rafael Marchante / AP

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Frenkie de Jong, Mittelfeld: Wenn dieser Jahrhundert-Niederlage irgendwann mal verdaut ist (in Brasilien dauert diese Phase nach dem 1:7 im WM-Halbfinale 2014 bis heute an), könnte de Jong ein Profiteur sein. In Ajax-Zeiten gehörte er zu den besten Mittelfeldspielern der Welt, in Barcelona wird er regelmäßig auf der falschen Position eingesetzt. So auch gegen die Bayern, weil Busquets mal wieder de Jongs ideale Rolle einnahm. De Jong schaffte es nicht, mit seinen berüchtigten Dribblings und guten Pässen Struktur ins Spiel zu bringen. Das Mittelfeld von Barcelona muss runderneuert werden, de Jong muss dafür ins Zentrum.

Foto: Pool / Getty Images

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Sergi Roberto, Mittelfeld (bis 46. Minute): Vor dem Spiel war beim großen FC Barcelona die Stimmung noch in Ordnung, auch bei Sergi Roberto (r.). Dass es aus dem Spiel keine Bilder des Mittelfeldspielers gibt, sagt alles. Roberto sollte das Mittelfeld stärken, seine Nominierung war für die Blaugrana der Anfang vom Ende. Und so spielte der 28-Jährige auch. Sein Ballverlust leitete das 2:1 für die Bayern durch Ivan Perisic ein.

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POOL / REUTERS

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Antoine Griezmann, Angriff (ab 46. Minute): Man darf gespannt sein, ob Griezmann in der kommenden Saison noch beim FC Barcelona spielen darf. Der Franzose hat ein bescheidenes erstes Jahr hinter sich nach seinem Wechsel von Atlético Madrid. Passend dazu saß er gegen die Bayern nur auf der Bank - und kam dann in 45 Minuten auf einen geblockten Torschuss. Das 2:8 wird wie ein Erdbeben in Barcelona wirken, Griezmann hat derzeit nicht die Lobby, das Gesicht eines Neuanfangs sein zu dürfen.

Foto: MANU FERNANDEZ / AFP

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Arturo Vidal, Mittelfeld: Der Chilene gilt als guter Kumpel von Lionel Messi. Ob das Einfluss bei seiner Nominierung für dieses Viertelfinale genommen hat, ist unklar und auch unwichtig. Vidal kann im richtigen System immer noch wichtig sein, aber dieses Barca-Team braucht keinen Kämpfer wie Vidal.

Foto: Rafael Marchante / dpa

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Lionel Messi, Angriff: Der FC Barcelona ist Lionel Messi, Lionel Messi ist der FC Barcelona. Doch in dieser Mannschaft reicht das nicht mehr. Das hat bereits die Saison in der spanischen Liga gezeigt - und dieser Abend dürfte die größte Niederlage in Messis Vereinskarriere sein. In weiten Teilen des Spiels wirkte Messi wie im Trikot der argentinischen Nationalmannschaft: isoliert, gehemmt, ohne die richtigen Mitspieler. Barcelona braucht eine Frischzellenkur, dann könnte Messi noch ein, zwei herausragende Jahre im Tank haben. Doch er wird an diesem Debakel zu knacken haben.

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POOL / REUTERS

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Luis Suárez, Angriff: Der Uruguayer wäre beim Eigentor von Alaba einschussbereit gewesen und erzielte den zweiten Treffer für Barcelona. Das ist eine ordentliche Bilanz für einen Stürmer, der ansonsten aber auch zu einem Opfer der Systemumstellung wurde. Gegen den Ball stimmte die Abstimmung nicht und bei eigenem Ballbesitz schaffte es Barcelona zu selten, Suárez ins Spiel einzubeziehen. Der Routinier ist zudem nicht der richtige Adressat für lange Bälle aus der Abwehr, die Barca viel zu häufig gespielt hat.

Foto: POOL / REUTERS

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Quique Setien, Trainer: Es ist schwer vorstellbar, wie der ohnehin schon umstrittene Coach diese Niederlage überstehen soll. Setiens Verhältnis zu Messi soll verbesserungswürdig sein, das allein reicht für einen Rauswurf. Wenn man als Trainer dieser Mannschaft in einem solchen Spiel allerdings die Taktik, ja eigentlich sogar die DNA, über den Haufen wirft, um sich verstärkt am Gegner zu orientieren, ist das fatal. Der FC Barcelona kann in einem 4-4-2 mit dem dann stärker gebundenen Messi und fehlender Spielstärke im Mittelfeld nicht gegen den FC Bayern in dieser Form bestehen. Vermutlich hätte Barcelona auch im klassischen 4-3-3 verloren, aber die Verleugnung des klassischen Cruyff-Systems wird in diesem stolzen Klub als Verbrechen angesehen.

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RAFAEL MARCHANTE / AFP

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Source: spiegel

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