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Schiefer Turm von St. Quirin: Der Knick ist weg – das Baugerüst bleibt

2020-10-24T12:04:03.766Z

Der schiefe Turm von St. Quirin sorgt seit über zwei Jahren für Gesprächsstoff. Inzwischen ist er zwar begradigt, doch der Anblick des Baugerüsts bleibt noch eine zeitlang erhalten.


Der schiefe Turm von St. Quirin sorgt seit über zwei Jahren für Gesprächsstoff. Inzwischen ist er zwar begradigt, doch der Anblick des Baugerüsts bleibt noch eine zeitlang erhalten.

  • Der schiefe Turm der Kirche St. Quirin wurde im ganzen Landkreis zur Lachnummer
  • Inzwischen wurde der Knick aus dem Turm entfernt
  • Nun beginnt die eigentliche Sanierung des Baudenkmals

St. Quirin – Es war kein Knick in der Optik des Betrachters, sondern ein tatsächlicher Schiefstand, der da nach der Sanierung des Kirchturms ans Tageslicht kam. Dabei hatten sich die damaligen Zimmerer aus dem Freisinger Raum genau an die Vorgaben des Statikers gehalten, als sie den Turm erneuerten und ihn im September 2018 mit der frisch geschindelten Zwiebel krönten.

Was war passiert? Bei der Sanierung hatten die Arbeiter den oberen Teil des Turms mitsamt Zwiebel gerade aufgesetzt. Weil das Gotteshaus mitsamt Turm im Laufe der Geschichte aber insgesamt leicht Richtung See gesackt war, entstand ein Schiefstand – und mit der statisch fundierten Sanierung ein Knick. Über den macht sich seither die Talbevölkerung lustig. Der schiefe Turm von St. Quirin war nicht nur das Highlight des diesjährigen Gmunder Faschingszugs kurz vor Ausbruch der Corona-Pandemie. In Finsterwald ersetzt der Turmnachbau in Miniformat inzwischen den Maibaum.

Spitze wurde so geneigt, dass sie im Einklang mit dem Kirchbau aus

Wer derzeit genauer hinschaut, könnte vermuten, dass die Zwiebel noch weiter in Schieflage geraten ist. Das Gegenteil ist der Fall. „Der Knick ist weg, die Spitze wurde so geneigt, dass sie mit dem Kirchturm in einer Flucht und damit im Einklang mit dem Kirchbau ist“, erklärt Norbert Schußmann, Kirchenpfleger der Kirchenverwaltung Tegernsee. In ihre Obhut gehört St. Quirin, auch wenn der gleichnamige Ortsteil politisch auf Gmunder Gemeindeflur liegt. Der optische Zustand, so Schußmann, sei nun eigentlich so wie vor der Sanierung. Für die Arbeiten sei eine neue Zimmerei beauftragt worden.

Dann könnte das Baugerüst doch eigentlich weg? Wohl nicht, meint Schußmann und berichtet von Arbeiten, die noch am Dach fällig seien. Überhaupt stehe die eigentliche Sanierung noch bevor. Zwar habe man bereits das Fundament freigelegt und saniert. Auch sei eine bergseitige Drainage bereits gelegt. Sie verhindert, dass St. Quirin nasse Füße bekommt. Auch sei das Gelände vermessen worden, eine schmale Straße im rückwärtigen Bereich müsse noch profiliert werden.

In welchem Umfang dann im Innenraum saniert wird, darüber zerbrechen sich gerade Architekten, Denkmalschützer und Vertreter des Ordinariats die Köpfe. Schußmann berichtet von umfassenden Untersuchungen und archäologischen Grabungen. „Das Gutachten darüber umfasst 256 Seiten und ist sehr detailliert.“

Sensationelle Erkenntnis: Kirchlein ist noch älter als angenommen

Dann verrät er eine Sensation, die sich dabei ergeben habe. Sogenannte dentro-chronologische Untersuchungen hätten gezeigt, dass die hölzernen Dachbalken wohl aus den Jahren um 1429 oder 1430 stammen. Bisher hatte es in den Geschichtsbüchern und Aufzeichnungen des Ordinariats geheißen, dass der Tegernseer Abt Kaspar Aindorfer gegen 1460 die bis heute bestehende Steinkirche bauen ließ, wohl im Zusammenhang mit der Entdeckung des heilkräftigen Quirinus-Öls am gegenüberliegenden Seeufer in Bad Wiessee. Das Kirchlein, das damit noch älter ist als angenommen, gehört überhaupt zu den bedeutendsten Denkmälern im Tegernseer Tal. Der Legende nach steht es dort, wo um das Jahr 800 die Reliquien des Heiligen Quirinus auf dem Weg von Rom ins Kloster Tegernsee zum letzten Mal Halt machten, „woraufhin eine heilsame Quelle entsprang“.

Auch Schußmann ist gespannt, auf welches Konzept sich die Experten bei der Sanierung einigen, welchen Zustand sie aus welcher Zeit wieder herstellen möchten. Viele Abstimmungsarbeiten seien noch nötig. Dass derzeit alles „etwas zäh“ laufe, sei sicherlich auch auf Corona zurückzuführen, befürchtet Schußmann.

Investitionssumme unbekannt: Pfarrverband hofft auf Spenden

Was die Finanzierung betrifft, so möchte Schußmann keine Aussage machen. 1,7 Millionen Euro standen zuletzt im Raum, diese Summe wurde allerdings vor mehreren Jahren veranschlagt. Das Ordinariat, hieß es, werde mit 85 Prozent der Kosten den Löwenanteil übernehmen, der Ökumenische Kirchbauverein Tegernsee, Rottach-Egern und Kreuth wollte mindestens 50.000 Euro beisteuern, die Kommunen Gmund und Tegernsee haben ihre Beteiligung ebenfalls zugesagt. Der Pfarrverband hofft zudem weiter auf die Spendenbereitschaft von Privatleuten und Firmen.

Wann in der Kirche wieder Gottesdienste, Taufen und Hochzeiten stattfinden, ist offen. Norbert Schußmann hofft, dass zumindest das Baugerüst 2021 abgebaut werden kann. „Sonst kommt auch das noch unter Denkmalschutz.“

gr

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Source: merkur

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