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Tipps vom Karrierecoach: Sollte ich mich für die Corona-Sonderzahlung bedanken? - DER SPIEGEL - Job & Karriere

2020-11-30T07:47:23.582Z

Paul hat unerwartet eine Sonderzahlung von seiner Firma bekommen. Jetzt ist er unsicher: Sollte er sich dafür bei der Personalchefin bedanken – oder wirkt er dann wie ein Schleimer?


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Wow, eine Sonderzahlung! Aber bei wem bedanke ich mich jetzt - und muss das überhaupt sein?

Foto: Maskot / Getty Images

Paul, 42, fragt: Ich arbeite in einem größeren Unternehmen. Jetzt hat die Personalchefin an alle eine Mail geschickt und verkündet, dass jeder von uns eine Sonderzahlung erhält. Er dankt für unseren Einsatz in der Coronazeit. Ich freue mich darüber, bin aber unsicher, wie ich reagieren soll. Das ist ja keine persönliche Mail; die Firma ist zu groß, als dass wir je direkt miteinander zu tun gehabt hätten. Manche Kollegen meinen deshalb, es sei zu einschleimend, darauf persönlich zu antworten. Ist ein Dankeschön dennoch angebracht und wenn ja, in welcher Form?

Lieber Paul,

zunächst herzlichen Glückwunsch, dass Sie in den Genuss einer Sonderzahlung gekommen sind. Viele Unternehmen können sich dies in der aktuellen Situation nicht leisten. Es scheint Ihrem Arbeitgeber wichtig zu sein, Ihnen für Ihre Leistungen in diesem schwierigen Jahr zu danken. Dass Sie sich Gedanken machen, wie auch Sie Danke sagen und Ihre Freude zum Ausdruck bringen können, finde ich toll. Wertschätzung – im wahrsten Sinne des Wortes – scheint Ihnen wichtig zu sein.

Auch wenn die Mail an die gesamte Belegschaft unpersönlich daherkommt und Sie sich als ein Mitarbeiter von Vielen im großen Unternehmen etliche Hierarchieebenen weit entfernt vom Personalchef fühlen, so ist es Ihnen doch persönlich wichtig, darauf zu reagieren. Was lässt Sie also zögern und was hat Sie dazu veranlasst, hierüber mit Ihren Kollegen zu sprechen? Wäre es etwas anderes, wenn Ihr direkter Vorgesetzter Sie über die Sonderzahlung informiert hätte und ist es die Distanz zur Personalchefin, die Sie nicht persönlich kennen? Haben Sie das Gefühl, dass sich eine Personalchefin ohnehin nicht für Sie und Ihre Wertschätzung interessiert? Oder teilen Sie die Sorge Ihrer Kollegen, dass es zu aufdringlich oder einschleimend wirkt, eine Danke-Mail an jemanden so weit oben zu schicken?

Wenn Sie die Meinungen Ihrer Kollegen einmal beiseitelegen – was ist Ihnen in dieser Situation wirklich wichtig? Genau dies sollten Sie tun und damit Ihren eigenen Werten folgen.

Auch Personalchefs sind Menschen

Mal angenommen, Sie wären Personalchef und alle Ihre Kolleginnen und Kollegen streichen sich kommentarlos das Geld ein, als wäre es etwas Selbstverständliches – wie würden Sie sich in dieser Rolle fühlen? Was geht wohl in den Köpfen von Vorständen oder Geschäftsführern vor, die trotz unsicherer Wirtschaftslage die Entscheidung für eine unternehmensweite Sonderzahlung getroffen haben und keine Reaktion von ihren Mitarbeitern erfahren? Ich würde in solch einer Unternehmenskultur nicht arbeiten wollen. Nicht als Mitarbeiter und auch nicht als Manager. 

Chefinnen sind auch Menschen und freuen sich über Feedback oder Anerkennung aus ihrem Team. Für wen ein Vorgesetzter oder die Personalchefin mehr böser Feind als geschätzte Kollegin ist, der sollte keine Zeit für ein nicht ehrlich gemeintes, geschleimtes »Dankeschön« verschwenden, sondern die Sonderzahlung als Schmerzensgeld kassieren und weiter Dienst nach Vorschrift leisten. Wem es jedoch wichtig ist, Dank auszusprechen und so auch einem Management Respekt und Wertschätzung für die Steuerung des Unternehmens in dieser Zeit zu zollen, der sollte dies tun.

Ein ehrliches »Dankeschön« hinterlässt keine Schleimspur

Ist Ihr Dank an die Personalchefin aufrichtig, weil es Ihnen wirklich wichtig ist, dann wird sie oder er dies so auch wahrnehmen. Überlegen Sie sich, was für Sie eine gute Art und der beste Weg ist, Danke zu sagen. Sie können auf die Mail des Personalchefs antworten und einige Zeilen schreiben (Achtung, nicht an den ganzen Verteiler!).

Sie können auch auf Ihren Chef zugehen und dort Ihren Dank dem Management gegenüber zum Ausdruck bringen. Oder Sie entscheiden sich, zum Hörer zu greifen, Ihre Personalchefin anzurufen und persönlich danke zu sagen. Selbst wenn Sie beiden sich noch nie begegnet sind, ist es nicht gerade jetzt auch an der Zeit, mehr Nähe in der Distanz zu schaffen? Ich bin mir sicher, dass sich Ihre Personalchefin über Ihren Anruf freut und im Anschluss keinen Eintrag in Ihrer Personalakte »Schleimer – bei nächster Gelegenheit kündigen!« hinterlassen wird. 

Bringen Sie zum Ausdruck, dass Sie sich über die Sonderzahlung gefreut haben. Schreiben oder sprechen Sie darüber, wie Sie die letzten Monate im Unternehmen erlebt haben. Lassen Sie andere an Ihren Gedanken, Ihrer Freude und vielleicht auch Ihren Sorgen teilhaben. Wie sonst sollen Chefs Mitarbeiter gut führen, wenn sie nicht erfahren, wie es ihnen geht? Und falls Sie tatsächlich der einzige Mitarbeiter im gesamten Unternehmen sein sollten, dem dieses »Dankeschön« am Herzen liegt, dann sollten Sie nicht nur umso stärker Ihre Wertschätzung ausdrücken, sondern auch nach der Krise darüber nachdenken, ob dieses Arbeitsumfeld für Sie noch eine gesunde Zukunft hat.

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Source: spiegel

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