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SPIEGEL-Wirtschaftsmonitor: Zweiter Shutdown trübt Zuversicht der Deutschen nur kurz - DER SPIEGEL - Wirtschaft

2020-11-30T07:03:00.336Z

Wieder sind Teile des Landes heruntergefahren. Doch anders als im Frühjahr haben die November-Maßnahmen die Zuversicht der Deutschen nur kurz gedämpft, wie der SPIEGEL-Wirtschaftsmonitor zeigt.


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Bochumer Innenstadt: Geschäfte bleiben diesmal geöffnet

Foto: Rupert Oberh‰user / imago images/Rupert Oberh‰user

Monatelang war es so etwas wie das Mantra der deutschen Politik: Ein zweiter Shutdown müsse unbedingt vermieden werden. Sonst würde der kraftvolle Aufschwung des Sommers abrupt gestoppt, schlimmer noch, ein abermaliger tiefer Absturz der Wirtschaft wie im Frühjahr drohe, mit unabsehbaren Folgen.

Bekanntlich ist es anders gekommen. Seit dem 2. November befindet sich Deutschland abermals in einem Shutdown, wenn auch in einem weniger umfassenden. Schulen, Kitas und Geschäfte bleiben geöffnet, auch die Industrie ist diesmal kaum betroffen. Dennoch: Wieder sind Kneipen und Restaurants geschlossen, ebenso Hotels und Fitnessstudios, Veranstaltungen und touristische Reisen sind untersagt. Und dabei wird es länger bleiben; die Hoffnung, ein November mit Einschränkungen allein reiche aus, haben Bund und Länder jüngst aufgegeben.

Die Menschen in Deutschland scheinen die wirtschaftlich negativen Folgen dieser Entwicklung durchaus wahrzunehmen, aber vergleichsweise gelassen einzuschätzen. Das zeigt der SPIEGEL-Wirtschaftsmonitor, für den das Meinungsforschungsinstitut Civey die Bevölkerung kontinuierlich repräsentativ befragt. Diese Erhebung über einen langen Zeitraum macht es möglich, die aktuellen Erwartungen der Bürgerinnen und Bürger in Bezug auf die allgemeine und persönliche wirtschaftliche Entwicklung, ihre Ängste und Sorgen sowie ihre Prioritäten einzuordnen.

Anfang Oktober zeigte das Stimmungsbild annähernd schon wieder einen Normalzustand, ähnlich dem vor der Pandemie – »Deutsche lassen Corona-Sorgen hinter sich«, lautete damals die Überschrift. Doch nur Tage später mehrten sich die Sorgen wieder, wie die Einschätzung der aktuellen Wirtschaftslage zeigt – der Anteil derjenigen, die die Lage als gut bewerteten, fiel bis Anfang November von 46 auf 37 Prozent; der Anteil derjenigen, die die Lage als schlecht bewerteten, stieg von 33 auf 37 Prozent.

Im Vergleich mit dem ersten Shutdown im Frühjahr sorgten die abermaligen Beschränkungen diesmal also nur für eine leichte Eintrübung. Mehr noch: Seit Anfang November wird der Blick der Bürgerinnen und Bürger auf die Wirtschaftslage wieder positiver – in Übereinstimmung mit ersten Indikatoren, die zeigen, dass der zweite Shutdown die Konjunktur deutlich weniger bremst als der erste.

Bei näherem Hinsehen liegt eine weitere Schlussfolgerung nahe: Für die Einschätzung der wirtschaftlichen Lage scheinen nicht allein die Shutdown-Maßnahmen an sich, sondern bereits die Entwicklung der Infektionszahlen eine wichtige Rolle zu spielen. Denn die Werte in der Grafik zeigen nicht etwa das Stimmungsbild an einem konkreten Tag an – sondern jeweils den eines 30-Tages-Zeitraums davor.

Konkret bezeichnet also der Tiefpunkt der Einschätzung am 6. November die Stimmung im Zeitraum vom 7. Oktober bis zum 6. November. In dieser Zeit stiegen die täglichen Infektionszahlen rasant und exponentiell; der November-Shutdown wurde aber erst am 28. Oktober beschlossen. Daher bilden auch erst die aktuellsten Werte die Stimmung seit diesem Beschluss vollständig ab.

Mit Blick auf den Arbeitsmarkt fällt auf, dass der zweite Shutdown die Sorge um den Verlust des Arbeitsplatzes wieder etwas hat steigen lassen. Im März und April war diese Sorge drastisch angewachsen, 20 Prozent der Befragten mit einem Arbeitsplatz äußerten damals die Angst, binnen einem Jahr ihren Job zu verlieren – fast doppelt so viel wie in normalen Zeiten. Danach ging dieser Anteil wieder deutlich zurück und lag lange bei 13 Prozent – nun jedoch ist er wieder auf 15 Prozent gewachsen. Gleichzeitig ist der Anteil der Beschäftigten, die ihren Arbeitsplatz für sicher halten, etwas kleiner geworden und der Anteil derer, die das nicht so recht einschätzen können, gewachsen.

Noch etwas ausgeprägter als bei der aktuellen Lage schlägt sich der Stand der Pandemie in der Prognose der wirtschaftlichen Entwicklung in den kommenden zwölf Monaten nieder. Hier trübten sich die Aussichten der Menschen in Deutschland parallel zu den stark steigenden Infektionszahlen deutlich ein, während des Shutdowns kehrte jedoch einiges an Zuversicht wieder zurück – wobei zu beachten ist, dass die Deutschen traditionell eher pessimistisch in die nahe Zukunft blicken. In absoluten Werten rechnen immer noch mehr als doppelt so viele Menschen mit einer Verschlechterung als mit einer Verbesserung der Lage.

Dennoch geht der Trend bei dieser Frage klar aufwärts. Das kann auch mit den guten Nachrichten in Bezug auf Impfstoffe zu tun haben. In der Grafik ist der 9. November markiert, der Tag, an dem die Firmen Biontech und Pfizer die überraschend hohe Wirksamkeit ihres Impfstoffs in Studien bekannt gaben.

Dass die Deutschen auch im zweiten Shutdown relativ gelassen bleiben, wird bei der Frage nach dem dringendsten Handlungsbedarf in der Wirtschafts- und Sozialpolitik deutlich. Hier wird gezielt nicht nach dem »wichtigsten Thema« gefragt. Der Unterschied ist groß: Ein Problem kann durchaus als das Wichtigste bewertet werden, ohne dass ein großer Handlungsbedarf gesehen wird – wenn das Gefühl vorherrscht, dass bereits genug getan wird, um es zu lösen.

Mit dem Anstieg der Infektionszahlen ist hier nun wieder der Bereich »Gesundheit und Pflege« in die Top drei gestoßen, der zwischenzeitlich deutlich seltener genannt wurde. Als dringendstes Thema wird allerdings weiterhin eines genannt, das bereits vor der Pandemie stets auf dem Spitzenplatz stand: die ökonomische und soziale Ungleichheit mit 20 Prozent der Nennungen.

Lange Zeit schienen die Deutschen die Coronakrise eindeutig als kurz- bis mittelfristige Ausnahmesituation zu betrachten – und nicht als systembedrohende Strukturkrise. Denn bei der Frage, wie sich voraussichtlich ihre persönliche wirtschaftliche Lage in fünf Jahren darstellen wird, antworteten sie auch nach Beginn der Pandemie fast exakt so wie davor.

Im Großen und Ganzen ist das immer noch so, allerdings zeigt sich hier nun eine leichte Veränderung: Zwar hat sich der Anteil derer, die für sich eine negative ökonomische Zukunft erwarten, nicht erhöht – er liegt stabil bei einem Viertel. Doch der Anteil der Optimisten hat sich inzwischen verringert und liegt seit Oktober stets unter der 20-Prozent-Marke. Im gleichen Maß ist der Anteil derjenigen gestiegen, die glauben, dass ihre Lage auch in fünf Jahren wenig anders sein wird als heute.

Der zweite Shutdown hat die Menschen in Deutschland also durchaus beeindruckt, was die Wahrnehmung der Wirtschaftslage betrifft. Allerdings sind die Sorgen über die eigene und allgemeine ökonomische Lage weit weniger stark gewachsen als im ersten Shutdown des Frühjahrs – und gehen inzwischen auch wieder merklich zurück.

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Source: spiegel

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