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Geldanlage: Bitte anschnallen, die zweite Corona-Welle kommt - DER SPIEGEL - Wirtschaft

2020-10-24T05:27:05.434Z

Die zweite Corona-Welle rauscht gerade auf uns zu, auch für Geldanleger wird es schwierig. Viel hängt von der Reaktion der Regierung ab. Und davon, dass Sie jetzt Ruhe bewahren.


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Kursverluste in Japan im März: Erst Sturz, dann Chance

Foto: Eugene Hoshiko/ dpa

Am Donnerstag früh war's passiert. Mehr als 10.000 Menschen an einem Tag hatten sich in Deutschland nachweislich mit Corona angesteckt, nämlich rund 11.200. Und so langsam dräute den Börsen, dass trotz vergleichsweise guter Zahlen bei vielen Unternehmen die Coronakrise wirtschaftlich keinesfalls ausgestanden ist.

Der Aktienindex Dax fiel erwartungsgemäß, erstmal stark, dann nur noch wenig, aber den vierten Tag in Folge. An den internationalen Börsen hatten sich die Kurse in den Tagen zuvor wegen der gestiegenen Ansteckungszahlen fast überall nach unten bewegt. Die Börsianer werden wieder nervös.

Helm auf und angeschnallt, auch für Anleger kommt die zweite Welle.

Kleinanleger sollte das nicht beunruhigen. Denn sie spekulieren ja nicht auf die Kurse von morgen oder übermorgen. Sie haben ein langfristiges Sparziel. Und wenn das einen Zeitraum von 10 bis 15 Jahren umfasst, dann ist es äußerst unwahrscheinlich, dass sie Geld an der Börse verlieren.

Und für die kleinen Anleger, die gerade erst einen Sparplan begonnen haben, gibt es sogar noch den Vorteil, dass sie bei einer zweiten Delle jetzt besonders günstig Anteile kaufen können, die später hoffentlich eine schöne Rendite bringen. Sollten die Kurse tatsächlich noch einmal deutlich nachgeben, wie in der ersten Welle, kann es sich lohnen, mit einem größeren Betrag nachzukaufen. 

Interessant bei der Beobachtung der Profis in der aktuellen Krise: Besonders unruhig agieren männliche Marktteilnehmer. Vorbildlich stoisch dagegen sind offenbar die weiblichen Anlageprofis. So jedenfalls schreibt Goldman Sachs.

Warum vermute ich, dass es eine zweite Delle geben wird? Weil die Zahl der Infizierten, die der schwer Kranken und in der Folge auch derjenigen, die wirtschaftlich durch das Infektionsgeschehen eingeschränkt werden, gerade so stark ansteigt. Die Norweger, die Finnen, die Estländer, die Iren, die Dänen und sogar die Südafrikaner wollen keine Urlauber aus deutschen Risikogebieten. Die Ungarn sowieso. Im Berchtesgadener Land dürfen die Leute nur noch aus zwingenden Gründen vor die Tür. Und in Baesweiler (bei Aachen) erreichen die Ansteckungszahlen spanische Dimensionen, die Bürger sollen auch dort zu Hause bleiben. Mehr oder weniger Lockdown.

Aus den Fehlern der ersten Welle lernen

Auch viele Firmenchefinnen halten den Atem an. Weil die Regierungen bei allen Milliarden, die sie in die Volkswirtschaften pumpen, bislang keinen Weg gefunden haben, das Geld wirklich schnell im Wirtschaftskreislauf unterzubringen. Der Mittelstand erwartet große Umsatzeinbußen und den Verlust von 1,1 Millionen Arbeitsplätzen.

Viel zu viel von den Hilfen landet auf den Spar- und Anlagekonten derjenigen, die nicht so hart von der Krise getroffen sind - verständlich. Sie sagen sich: Wenn die Regierung auf Sicht fährt und uns Bürgerinnen und Bürger zur Vorsicht mahnt, dann tue ich finanziell erstmal das gleiche und lege das Geld vorsichtiger an.

Verzweifelte Vorschläge wie das Vorziehen des Weihnachtsgeldes auf Oktober werden nicht weiterhelfen. Wenn die Regierenden dafür sorgen möchten, dass die ganze Wirtschaft stimuliert wird, werden sie ihre Hilfen denen geben müssen, die sie auch wirklich wieder ausgeben. Oder sie sollten die Hilfen gleich an die konkreten Ausgaben koppeln.

Von daher gilt für kluge Bürger der Rat: Ruhig bleiben und genau hinsehen. Lernen die Regierungen aus den Erfahrungen der ersten acht Corona-Monate, werden wir womöglich bald sehr konkrete Investitionsprogramme sehen, bei denen ich als Bürger viel Geld dazu bekomme, wenn ich viel Geld ausgebe. Und gleichzeitig die Jobs meiner Nachbarn erhalte. Eine Milliarde für Dächer mit einer solaren Heizung; ein weitere für E-Auto-Ladestationen in jeder Tiefgarage. In so eine Richtung könnte es gehen.

Wenn Sie sparen, legen Sie auch jetzt das Geld nach der TFI-Methode an:

  • Geld, dass Sie womöglich bald brauchen auf dem Tagesgeldkonto

  • Geld für die neue Küche in drei Jahren auf dem Festgeldkonto

  • Und Geld fürs Alter oder ganz langfristige Pläne in weltweiten, marktbreiten Indexfonds

Solche Indexfonds können zwar kräftig schwanken, wie aktuell an der Börse. Aber langfristig ist es seit 70 Jahren immer bergauf gegangen, zumindest im Marktdurchschnitt. Börsennotierte Konzerne sind darauf ausgerichtet zu wachsen und mehr Rendite zu machen, also verdienen auch ihre Anteilseigner, sprich: Aktionäre. Das gilt jedenfalls für all die großen Konzerne von Apple bis Zalando. In den vergangen 40 Jahren kamen für Anleger, die sich am Weltaktienindex MSCI World orientierten, im Schnitt über 7 Prozent Rendite pro Jahr zusammen.

Das Risiko, eine "Niete" an der Börse zu erwischen, können Sie mit einem breiten Fonds winzig klein machen, weil Sie Ihre Anlage auf viele unterschiedliche Läden verteilen. Nur das Marktrisiko können Sie nicht vermeiden. Wenn eine Corona-Pandemie die Weltwirtschaft erschüttert, sehen Sie für einige Zeit rote Zahlen im Depot. Genau wie damals nach der Finanzkrise wie 2008/2009.

Meine Kollegen bei Finanztip haben das aber für die Vergangenheit nachvollzogen. Ergebnis: Nach spätestens 15 Jahren war der Spuk stets vorbei. Sprich: Zwischenzeitliche Verluste hatten sich ausgeglichen.

Der Staat muss Geld rausrücken - an den richtigen Stellen

Politisch werden wir zu zusätzlich womöglich konkrete Ausgabenprogramme für diejenigen sehen, die wenig Geld in der Tasche haben oder deren Taschen tiefe Löcher haben – weil die vermutlich am zuverlässigsten das Geld gleich in den Wochen darauf wieder ausgeben. Wie schön das wäre: Zu Weihnachten einmal die Verdoppelung des Regelsatzes bei Hartz-IV. Geschenke unterm Baum und Oma nicht mit Covid-19 anstecken. Als alter Ministrant wird man doch mal träumen dürfen.

Die Stellen, an denen der Staat zielgerecht Geld ausgeben kann, sind dabei ziemlich einfach zu erkennen. Wenn der Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise und gegen die Klimakrise ernst gemeint ist, wird genau an diesen Stellen viel Geld zur Verfügung gestellt, damit noch mehr Geld ausgegeben werden kann.

Und die Liste der möglichen Vorhaben wird lang.

  • Wie sorgen wir für eine ökologischere Mobilität? Mehr Spontan-Radwege, damit wir auch im Winter gesund zur Arbeit kommen.

  • Praktische Förderung für E-Autos. Die Idee hat in Deutschland endlich hinreichend Fans gefunden. Jedenfalls sind in diesem Jahr deutlich mehr E-Autos gekauft worden als in den vergangenen.

  • Wenn Homeoffice zum neuen Standard werden soll, müssen Firmen ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit entsprechender Technik ausstatten (Laptops, Bildschirm, Büromöbel, Sicherheitssoftware). Die Händler berichten schon von deutlich steigenden Umsätzen.

Die Generation der Digital Natives denkt jetzt tatsächlich über die eigenen vier Wände nach. In den Städten ist ihnen oft der notwendige Platz (mit Homeoffice) verwehrt oder zu teuer. Sie werden womöglich aufs Land rausziehen. Aber auch dort werden sie nur ankommen, wenn die Infrastruktur am Ort funktioniert: Kindergarten, Schule und Oberschule, Arzt, Zahnärztin und Apothekerin, Bahnanschluss, Italiener und Supermarkt.

Die Börsenturbulenzen der Corona-Pandemie werden hoffentlich vorbei sein, wenn die neue Kita eröffnet und der junge Landarzt geholt wird, die Altersvorsorge der Digital Natives steckt dann zur Hälfte in ihren Häusern, zur anderen in ihren nachhaltigen ETF.

Unterm Strich: Der Umgang mit der zweiten Welle ist auch eine Riesenchance.

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Source: spiegel

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